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 Moshe Ya'akov Ben-Gavriêl  (bis 1927: Hoeflich, Eugen)

Geb. 15. 9. 1891 in Wien; gest. 17. 9. 1965 in Jerusalem

 

 

Wächst im Wiener Stadtteil Ottakring als Sohn des Internisten Gabriel (gest. 1925) und der Hausfrau Carla (geborene Kurtz; gest. August 1940) Höflich auf. Seine Schwester Renèe (Mimi), verheiratete Tyrnauer, stirbt im Juni 1938 in Paris. Schulische Laufbahn: Piaristengymnasium, k. u. k. Staatsgymnasium, Gymnasium in Stockerau, schließt mit einem Diplom die Neue Wiener Handelsakademie ab; danach Beamter einer Versicherungsgesellschaft und bereits kulturpolitisches Engagement u.a. im „Verband Jüdischer Künstler Wien“; Teilnahme an den Kämpfen des Ersten Weltkriegs, zunächst in Polen, nach Verwundung und Genesung, 1917 als Kommandant einer österreichisch-ungarischen Kompanie im k. und k. Reservespital Ratisbonne (Jerusalem); Abberufung nach Konstantinopel wegen pansemitischer Propaganda. Nach Kriegsende weiterhin in militärischen Diensten (u.a. in der illegalen „Jüdischen Legion“); Studium an der Universität Wien (Arabisch) und aktiv in zahlreichen zionistischen Gruppen, wie in der Arbeiterpartei ‚Hapoel Hazair‘,

Herausgeber und Redakteur der jüdischen Zeitschriften Esra (1919/20) und Das Zelt (1924/25), Beiträge in der von Martin Buber herausgegebenen Zeitschrift „Der Jude“ und gemeinsam mit der Schauspielerin Mirjam (Mir) Schnabel, seit 1921 seine Ehefrau, organisatorische Tätigkeiten (Gastspiel der 'Wilnaer Truppe' in Wien 1921/22 und Mitwirkung an der jiddischen Kleinkunstbühne 'di gildene pawe' 1924/25). Eugen Höflich, das ist auch M. Y. ben-gavriêl (verschiedene Schreibweisen), verwendet in Publikationen bereits seinen ab 1927 hebräisierten Namen als Pseudonym, propagiert in Veröffentlichungen einen „Panasiatismus“. Er fordert u.a. in Der Weg in das Land (erweiterte Neuausgabe 1923: Die Pforte des Ostens) und den expressionistischen Prosaskizzen Feuer im Osten (1920) sowie im Lyrikband Der rote Mond (1920) die Rückkehr des Judentums zu seinen östlichen, religiösen Ursprüngen. Mit seiner Übersiedlung nach Jerusalem ändert er mit seinem Namen auch seine Staatsbürgerschaft; nimmt journalistisch (als Korrespondent) und militärisch (Major der ‚Haganah‘, Soldat im palästinensisch-jüdischen Bataillon während des Zweiten Weltkriegs, später Offizier in der Zahal (Unabhängigkeitskrieg 1948 und Sinaifeldzug 1956) intensiv Anteil am Aufbau des jüdischen Siedlungswerks und Staates. Seine journalistische Reisetätigkeit im Vorderen Orient ist durch seine zeitgenössischen Artikel in diversen europäischen Zeitschriften/Zeitungen (vor 1945 u.a. Jüdische Rundschau, Der Morgen, Neues Tagebuch, Aufbau, aber auch der Haaretz und Palestine Post; nach 1948 in diversen deutsch- und englischsprachigen) wie auch in seinen Einzelpublikationen dokumentiert.

Als Mitglied des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller in Zürich und des PEN-Clubs in London beteiligt er sich auch am geistigen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In Palästina bemüht er sich um einen jüdisch-arabischen Ausgleich, wobei er  als erster das Konzept eines binationalen Staates ("Bruderbund arabischer und jüdischer Gemeinschaften im freien arabisch-jüdischen Palästina") entwirft. Aus seinen von 1915 bis 1956 intermittierend geführten Tagebüchern ist diesem persönlichen Bemühen zentrale Bedeutung zu entnehmen. In Kontakt mit Gleichgesinnten wie Martin Buber, Hugo Bergmann, Jehuda Magnes und Gershon Scholem (alle Gründer des Brith Shalom, später Ihud), sucht er durch Eingaben an die britische Mandatsmacht und Kontakt zu arabischen Vertretern an einer Verständigung mitzuwirken. Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Leben im Orient fließen auch in seine belletristischen Romane ein, die im deutschsprachigen Raum in den 50er und 60er Jahren zu Bestsellern werden und vielfache Auflagen erleben. Die Verfilmung seines Romans Das Haus in der Karpfengasse, in dem er die Besetzung Tschechiens durch die Deutschen anhand der ethisch gemischten Bewohner eines Prager Wohnhauses thematisiert, erzielte etliche Auszeichnungen. Darüber hinaus gestaltete Ben-Gavriêl auch zahlreiche Sendungen in deutschen und Schweizer Rundfunkanstalten. Unermüdlich wirkte er in zahlreichen Lesungen und Diskussionen in Europa auch als einer der ersten Kulturvermittler zwischen Israel und Deutschland nach der „Zäsur Auschwitz“.

 

Werke in Auswahl:

  • Der Weg in das Land. Palästinensische Aufzeichnungen (1918)

  • Der rote Mond. Gedichte (1920)

  • Feuer im Osten (1920)

  • Die Pforte des Ostens. Das Arabisch-Jüdische Palästina vom Panasiatischen Standpunkt aus (1923)

  • Haran. Roman (12 Fortsetzungen in Hamburger Israelitisches Familienblatt, 1928)

  • Hefker oder Das Kaleidoskop. Roman (49 Fortsetzungen in HIF, Beilage „Jüdische Bibliothek“, 1928)

  • Orientabteilung 3 (Fortsetzungen in Israelitisches Familienblatt, Bibliotheksbeilage, 1931)

  • Kleines Palästinabuch für empfindsame Reisende (1938)

  • Frieden und Krieg des Bürgers Mahaschavi (1952, mehrere Auflagen)

  • Das anstößige Leben des Großen Osman (1955)

  • Kumsits. Geschichten aus der Wüste (1956)

  • Israel. Wiedergeburt eines Staates (1957)

  • Das Haus in der Karpfengasse (1958)

  • Der Mann im Stadttor. Roman (1960)

  • Herausgeber: Albert Ehrenstein, Ausgewählte Aufsätze (1961)

  • Die sieben Einfälle der Thamar Dor [Kriminalroman] (1962)

  • Die Flucht nach Tarschisch. Ein autobiographischer Bericht (1963)

  • Ein Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Eine Doppel-Novelle (1963)

  • Die Gedichte des M. Y. Ben-Gavriêl (1964)

  • Kamele trinken auch aus trüben Brunnen. Roman (1965)

  • Ein Löwe hat den Mond verschluckt. Erzählung (1965)

 

 
 
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